Warum Katzenbabies und Einhörner allein einfach nicht helfen..

Ich bin heute mit der Sonne im Gesicht aufgewacht. Die Blättern fallen langsam von den Bäumen, die Vögeln zwitschern, der Himmel strahlt in herrlichem blau und mein Herz springt im Dreieck. Ihr wisst, dass ich ein Sonnenscheinkind bin und mir das alles schon reicht, um einfach glücklich zu sein. Und wenn Ihr mich besser kennt, wisst Ihr auch, dass ich niemandem länger als eine Stunde sauer sein kann, weil ich danach vergessen habe worum es ging. Und das ich nie wirklich lange traurig bin und das letzte Mal mit 10 oder 11 Jahren geweint habe.

Seit mittlerweile knapp 13 Jahren beschäftige ich mich aber auch mit der anderen Seite, mit der dunklen Seite des Lebens sozusagen. Ich finde ich psychische Auffälligkeiten und Syndrome unheimlich interessant. Egal, ob Agoraphobie, Schizophrenie, dissoziative Störungen und Depression – ich sauge Erfahrungen und Erkenntnisse darüber auf wie ein Schwamm. Dabei kann ich nicht einmal genau sagen, warum das so ist. Früher habe ich immer gesagt ich habe ein „Helfer-Syndrom„, weil ich ziemlich oft an Mädchen geraten bin, die auf ihre ganze eigene Art und Weise psychisch instabil waren und ich versucht habe einfach da zu sein. Oder zuzuhören.
Während meiner pubertären Zeit als Gruftie hat das dann noch mehr zugenommen und ich habe mich mehr und mehr der anderen Seite beschäftigt, also all den Gedankenmonstern, Ängsten und Wirrungen die wir in uns tragen. Ich kam dabei öfter in Kontakt mit dem Thema Depression, Essstörung oder Vergewaltigung und sogar Suizid, konnte es aber nie wirklich fassen oder real begreifen. Betroffene werden oft als verrückt vezeichnet. Als leben sie versetzt von der Masse der Bevölkerung. Verrückt. Was für ein Wort dafür. Für mich war das alles abstrakt und ungreifbar. Bis sich eine Freundin von mir vor den Bus geworfen hat.

Damals war ich 17 Jahre alt und mich erreichte eine E-Mail von ihrer besten Freundin, die genau so hieß wie sie. Sie schrieb, dass es einen Abschiedsbrief gab in dem explizit ich erwähnt war und sie nun mit mir Kontakt aufnimmt. Zuerst dachte ich das sei ein schlechter Scherz, denn in meinem wohlbehüteten Leben konnte ich mir soetwas beim besten Willen nicht vorstellen. Aber real war es trotzdem. Ich habe das Internet durchsucht nach Nachrichten und tatsächlich stimmte es. Das hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Seitdem beschäftige ich mich mit Depression und Suizid. Und es ist ein unheimlich schwieriges, sperriges und sch wer zugängliches Thema, von ich dem ich erst jetzt im Ansatz begreife, wie sich die Betroffenen fühlen müssen.

„Jeder kennt mit Sicherheit einen Menschen mit Depressionen (manchmal ohne es zu wissen) und es schadet wirklich nicht, die Krankheit zu verstehen. Was auch wichtig ist, ist dass Depression nicht (notwendigerweise) Traurigkeit ist, wäre das so, könnten wir professionelle Tröster haben, die einen mit Katzenbabys überschütten.“ (E.)

Aus diesem Grund möchte ich Euch wirklich gernen einen Artikel ans Herz legen, den ich vor ein paar Tagen gelesen habe. Er hat mich innerlich wirklich aufgewühlt und sehr nachdenklich gemacht. Vielleicht greift soetwas wie Depression in unserer immer rasanter und von Erfolgsdruck und musthave-Glückseligkeit geprägten Gesellschaft um sich, ohne das wir es merken. Vielleicht entsteht Depression einfach aus der aussichtslosen Suche nach einem Ziel im Leben. Wer sagt denn, dass wir unbedingt ein Ziel brauchen? Wenn ich eine Strichliste machen müsste, mit Menschen die ich kenne, die entweder depressiv sind, depressive Züge habe oder sich umgebracht habe, wäre ich mittlerweile bestimmt bei 5 oder 6. Und das macht mich traurig. Denn eigentlich brauchen sie ganz oft nur jemanden, der ehrlich und aufrichtig für sie da ist und zuhört. Obwohl draußen die Sonne scheint und sich die Welt trotzdem weiterdreht. Und obwohl es bei Facebook und Twitter Katzenbabies und Einhörner regnet.

http://www.huffingtonpost.com/literally-darling/loving-someone-with-depression_b_4002503.html

Wie schwer es ist, dieses Thema in Worte zu fassen, sieht man übrigens daran, dass es als Synonyme für das Wort Krankheit neben Beschwerde und Gebrechen auch Siechtum und Störung gibt. Man kann sich der Psyche in dem Honig im Kopf eben schwer nähren. Es ist keine Schande psychisch krank zu sein, phsysich krank ist ja auch jeder einmal. Erst heute habe ich erfahren, dass jeder vierte (Dunkelziffer höher) Europäer depressiv ist. Psychische Erkrankungen seien die Hauptursache für die rund 58.000 Selbsttötungen jährlich in der EU. Das übertreffe die Zahl der Verkehrstoten. Und diese Statistik ist von 2005. Denkt darüber nach, bitte.

4 Gedanken zu “Warum Katzenbabies und Einhörner allein einfach nicht helfen..

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