ich möchte Walfischtränen weinen..

Vor ein paar Tagen wurde ich bei Facebook nach 10 CDs gefragt die mich geprägt haben. Bis heute habe ich darauf keine wirkliche Antwort.

Zuerst habe ich überlegt, welche Bands es denn sind, die mich seit Jahren begleiten und für prägende Momente in meinem Leben verantwortlich waren. Und dann kam mir der Gedanke daran, was es denn bedeutet zu sagen „etwas hat mich geprägt“. Etwas das meinen Lebensweg entscheidend beeinflusst hat? Etwas das mich schon lange begleitet? Etwas das mich zu dem gemacht hat was ich bin? Auf einmal fallen mir ganz viele Erinnerungen an schon lange vergangene Zeiten wieder ein. Und dann das:
es waren nicht nur CDs, sondern auch Schallplatten und Kassetten. Und die Erinnerungen reichen bis in meine frühe Kindheit zurück.

Ich möchte Euch ein Bißchen an meinem Leben teilhaben lassen und versuche zu beschreiben, was genau mich mit den Bands oder Alben verbindet und weshalb sie mich bis heute geprägt haben:

(0. Phil Collins – Face Value)
Ich kann mich nicht kurz fassen und gesetzte Rahmen mag ich nicht. Deswegen gibt es auf meiner 10er Liste eine 0 und auch eine 11. Die „Face Value“ Schallplatte von Phil Collins habe ich noch in der Grundschule hinter einem Müllcontainer gefunden und einfach mitgenommen. Ich fand das alte Vinyl als Kind schon viel zu schade zum wegschmeißen. Seitdem stand sie jahrelang ungehört in der Ecke und auch bis heute weiß ich nicht, wie sich die Titel darauf anhören. Aber sie hat meine Liebe zur Musik, zum Stöbern in alten Dingen und besonders zu Schallplatten begründet. Danke lieber Unbekannter, der diese Schallplatte mir zum Finden überlassen hat 🙂

1. Rod Stewart – irgendeine Doppel-Kassette aus den 80ern (vielleicht „Every beat of my heart“ von 1986?)
ich war als Kind Anfang der 90er ständig in unserer Dorfbibliothek und habe dort auch irgendwann begonnen in den Kassetten und Schallplatten zu stöbern. Ich weiß noch das mich ein bestimmtes Cover dazu bewogen hat, mir genau diese Kassette mehrmals auszuleihen, obwohl ich mit 7 oder 8 noch nicht wirklich etwas mit der Musik anfangen konnte.

2. Megadeath – Euthanasia (1994)
Und wieder hat mich als visuell gesteuerter Mensch das Cover dieses Albums in den Bann gezogen. Und gleichzeitig den Startschuss für meine Liebe zum Metal gegeben. Ich konnte die Musik von Megadeath nie leiden, viel zu trashig und Oldschool. Aber das Cover war cool! 

3. Thunderdome – IX The Revenge Of The Mummy
Die komplette Thunderdome Collection ist wohl das was immer alle „oh mein Gott“ betiteln. Musiktechnisch ist es Hardcore-Techno und Gabber und somit extrem schneller Techno mit verzerrter Bassdrum und Samples aus Horror-, Action- oder Kriegsfilmen. Alles in allem fast unhörbar länger als 10 Minuten. Die Geschichte dahinter: in unserem Dorf gab es einen CD Laden. Und ich als kleiner Knirps Anfang der 90er und noch in der Grundschule ging dort ständig ein und aus. Zielgerichtet habe ich mir damals immer wieder die Thunderdome CDs gegriffen und gehört. Die Besitzerin ist bis heute verwundert, wie ein so junges Kind so harte Musik hören kann. 

4. Nirvana – Nevermind
Diese Band kennt jeder. Und obwohl Kurt Cobain schon 1994 gestorben ist, hängen noch immer Poster von ihm an den Wänden und es soll sogar manche Kids geben, die noch Nirvana-Aufnäher am Rucksack haben. Ich kam das erste Mal in der 6. oder 7. Klasse mit Nirvana in Berührung und das war wie „BÄMM!“! Endlich gab es eine Band, die haargenau meinen Geschmack traf. „Smells like Teen spirit“ – meine Güte, wieviele 100 Mal habe ich diesen Song gehört und geliebt und kann immer noch nicht stillsitzen oder -stehen und meinen Mund halten, weil ich jedes einzelne Wort mitsinge und leise gröhle!

5. Pennywise – Straight Ahead
Nirvana sind Schuld daran das ich angefangen habe mit 14 Jahren Schlagzeug spielen zu lernen und mit 16 meine erste eigene Band gegründet habe. Bis heute spiele ich Schlagzeug und bin nach wie vor verliebt in diese Höllenkiste! Und Pennywise mit ihrem Surfpunk aus Kalifornien haben mich maßgeblich beeinflusst! Auch hier: ich kann jeden einzelnen Song mitgröhlen! 😀

6. Böhse Onkelz – Viva Los Tioz
Über die Onkelz wird ja viel gesagt. Es gibt wahrscheinlich auch kaum eine andere Band mit so einer bewegten Geschichte. Für mich sind sie Helden. Das Album „Viva los tioz“ wurde mir damals von Judith im Schulbus auf die Ohren gedrückt. Noch heute habe ich ihr altes schwarzweißes Palituch, das mittlerweile ganz schön zerrissen ist, mich aber seit 16 Jahren zusammen mit den Onkelz durch gute und vor allem schlechte Lebenslagen begleitet. Niemand sonst schafft es mit Texten, wie auf diesem Album und auch auf „e.i.n.s.“ mir direkt so ins Herz zu gehen. Mit dem letzten Text habe ich damals übrigens mit meiner ersten Freundin Schluss gemacht und ihn ihr im Abschiedsbrief geschrieben:
„auf gute Freunde, verlorene Liebe,
auf alte Götter und auf neue Ziele.
Auf den ganz normalen Wahnsinn, auf das was einmal war.
Darauf, dass alles endet und auf ein neues Jahr, auf ein neues Jahr“

„Wir haben immer nur genommen, nie gegeben,
es maßlos bertrieben, doch dann kam der Regen.“

„Wenn ich nicht weiter weiss, hilft da noch eins,
die Flucht nach vorne, Du weisst, was das heisst!
Bring‘ mich weg von hier, ich will ins Licht,
ans Ende dieser Welt, ganz egal wo das ist!“

„Ich suche nach der, die mich zum Weinen bringt
Liebe macht süchtig, betrunken und blind
Ich suche nach dem Weg aus der Leere
Die mein Leben bestimmt
Ich lass es Tränen regnen“

7. Crematory – Seventh Act
Jeden Sonntag lief auf Radio Fritz (ein Berliner Jugendmusiksender) das „Stahlwerk“ moderiert von Adi Sharma. Er ist Schuld daran das ich angefangen habe Metal zu hören. Ziemlich harten Metal. Und jeden Sonntag vor meiner Stereoanlage saß und die Sendung auf Kassette aufgenommen habe, um sie am nächsten Morgen im Schulbus zu hören! Und eine der Bands von denen ich auch den ersten Band-Pulli hatte (und immer noch habe!) war die deutsche Band Crematory mit ihrem melodic gothic Metal.

8. Type O Negative – The Origin Of The Feces (1992)
Type O Negative sind meine Helden. Und dafür verantwortlich das ich Gruftie wurde. Schon das Intro des Albums – ein Livemitschnitt eines Konzerts, auf dem die Menge immer das Gleiche schreit und dann auf einmal Peter Steele, ein riesiger Muskel bepackter Hühne aus Brooklyn, der Frontmann und Bassist der Band war und immer mit einer Stahlkette, statt einem Gitarrengurt um den Hals spielte und die tiefste Stimme des Universums hat. Wow! Mein Gott wie ich diese Band liebe! Ich habe mir immer gewünscht, sie einmal in meinem Leben live zu sehen. Und das hat bis 2007 gedauert. Ich stand in der allerersten Reihe, habe lauthals alle meine Lieblingssongs mitgesungen, wurde von Peter mit Wasser aus einem Eiskübel überschüttet und war so glücklich, wie lange lange lange schon nicht mehr. Kurz darauf ist er gestorben und bleibt bis heute einer der einflussreichsten Menschen in meinem Leben. Vor allem mit seiner Musik.

9. Crack Up – Dead End Run
Versetzt Euch zurück in die Nacht vom 30. April zum 1. Mai 2002. Berlin Prenzlauer Berg. Im Knaack ist es so voll das der Gang zum Tresen ein Zeit raubende Angelegenheit wird, Crack Up spielen rotzigen Death Metal mit Rock’n’Roll Allüren, vor der Bühne schwingen einige Mädels ihre Hüften, Kerle recken laut mitgröhlend ihre Fäuste in die Luft und ich lasse meine langen Haare direkt über den Monitorlautsprechern auf der Bühne kreisen. Ich liebe diese Band so sehr. Und ihr Tempo, ihre eingängigen Riffs und Melodien. Und den genialen Mix der Musikstile. Nach dem Konzert trete ich vor dem Knaack-Club auf die Straße, neben mir brennt ein Auto, gegenüber sind die Schaufenster eines Supermarkts eingeschlagen, überall rennen vermummte Chaoten umher und ein Klassenkamerad kommt beladen mit Wein aus dem geplünderten Supermarkt gestiegen und wir beiden wundern uns das wir uns genau hier treffen. 1. Mai in Berlin – Krawall, Flammen, Molotowcocktails und mitten drin in der Nacht nach einem Konzert das ich mit breitem Grinsen und Bauchkribbeln verlassen: ich. Das war einer der prägendsten Momente in meinem Leben. Danke Crack Up!

10. The Cranberries – Wake up and smell the coffee
Ich habe mich unsterblich in Uli verliebt. Ein kleines, blondes Mädchen, süß und sauer zugleich und gerade frisch aus Finnland wiedergekommen. Wir beide sitzen auf der Rückfahrt von Budapest nach Berlin stundenlang im Bus nebeneinander. Ein Kopfhörer steckt in ihrem Ohr, der Andere in meinem Ohr. Wir schlafen nebeneinander ein und die Cranberries werden ein elementarer Teil meines Lebens. Bis heute. In Erinnerung an diese wunderschöne Busfahrt und an Uli, mit der ich leider nie zusammengekommen bin, habe ich mir sämtliche Alben gekauft.

(11. Fairy – live at Laub & Frey)
Fairy. Die Sängerin dieser Band heißt im wahren Leben Fee Klauser. Und sie ist wundervoll. Ihre Musik ist so schön, so ehrlich, die Texte so wahr und nah am Leben. Und Fee so schüchtern und dankbar für jeden einzelnen Augenblick, wenn sie schüchtern mit ihrer Gitarre in der Hand im tosenden Applaus steht und vor Aufregung und Rührung kaum ein Wort über die Lippen bekommt, bis sie wieder anfängt zu singen. Fairy ist die Band eines ehemaligen Kommilitonen und hat mich lange begleitet. Ihr Album „live at Laub & Frey“ entstand in einem Café in Berlin und macht mich noch heute glücklich. Und das nicht nur, weil ich auf einem Foto im Cover bin und vor Freude strahle 🙂

Und vor lauter großen glücklichen und traurigen Erinnerungen möchte ich jetzt gerne Walfischtränen weinen. Was bewegt Euch, was prägte Euch? Oder teilt Ihr vielleicht sogar meinen Musikgeschmack? Ich danke Euch für alles.

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