Das Glück liegt in den Augen einer Katze

Die Nachbarn meiner Eltern – ich nenne sie hier E. und M. – haben zwei kleine Söhne. Einer von beiden ist sieben und wir bald eingeschult, der Andere ist vier Jahre alt. Seit ungefähr zwei Jahren haben die beiden allerdings noch weiteren Nachwuchs in haariger Form bekommen: Tinko und Minko. Zwei wunderschöne, grau-schwarz gemusterte kleine Kater.

Minko

Minko

Von den Erziehungsmethoden von E. und M. halte ich nicht sehr viel, aber noch enttäuschter bin ich darüber, wie sie ihre Kater erziehen. Die längste Zeit wuchsen die beiden in einem kühlen, grauen Kellerraum mit unverputzten Wänden und Kartons zum schlafen und kuscheln auf. Wer von Euch selbst schon einmal eine Katze besessen hat weiß, wie schön es ist die Kleinen aufwachsen zu sehen, von ihnen geweckt zu werden und als Zeichen der Zuneigung liebevoll an der Nase gestupst zu werden. Das alles können Tinko und Minko, die bei E. und M. lediglich „Katzen“ heißen, nicht. Die einzige Zuneigung die ihnen damals entgegengebracht wurde kam von einem Silvester Stalone Papp-Aufsteller, einem alten Kinderwagen und dem Urlaubs-Dosenöffner in Form meines Vaters. Und das war auch ihr Glück! Denn jedes Mal, wenn die Katzeneltern mit ihren Kindern in den Urlaub gefahren sind, wurde meinem Vater als direktem Nachbar das Glück zugute, die beiden Kater zu füttern und an sich zu gewöhnen. Das war gar nicht einfach, denn sie waren beide extrem scheu und hörten nicht auf Namen – die sie ja nicht hatten – oder taten typische Katzendinge. Sie schnurren nicht, sie miauen nicht und sie sind keine Nähe gewöhnt. Sie stupsen nicht mit der Nase, kuscheln sich nicht an Beine und flüchten sich stattdessen in ihre kühlen Ecken oder unter die schützende Heizung.

Irgendwann hat mein Vater ihnen einfach Namen gegeben: Tinko – für den kleinen, schmächtigen und sehr scheuen Kater – und Minko für seinen Bruder mit dem weißen Latz, der bis zur Nase geht und ihn lieb lächeln lässt. Nach und nach hat er sie mit kleinen Leckerbissen, versuchten Streicheleinheiten und einer immer lieben Hand für sich gewonnen. Das war vor zwei Jahren.

Gerade eben schmiegte sich Minko auf der Terrasse meiner Eltern an meine Beine, ließ sich überall kraulen und legte seinen Kopf in meine Hände. Tinko springt unerwartet auf meinen Schoß, während ich Zeitung lese, leckt mir als Zeichen der Zuneigung und des Vertrauens die Finger ab und wartet jeden Morgen mit seinem Bruder und gespitzten Ohren auf meine Mama, wenn sie zur Tür heraustritt, um mitten in der Nacht zur Arbeit zu gehen. Man kann mit Fug und Recht sagen, dass die Kater ein neues zu Hause gefunden haben. Sie sehnen sich nach Zuneigung, liegen nebeneinander unter dem Tisch, beobachten uns beim Holz hacken, Frühstück machen und Blumen gießen. Ab und zu höre ich auch ein „Miau“ und sehe danach in die halb geschlossenen, glücklichen Augen von Tinko und Minko, die neben mir liegen und schnurren.

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